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Aktionsblatt
Streik! |
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Dies
ist KEIN Manifest. Es ist auch KEIN Anwerbepamphlet.
Es
ist ein Beitrag von AnarchistInnen zum Ideenaustausch
innerhalb unserer Klasse.
Wir
hoffen, dass es Euch nützt.
Verständigung funktioniert gegenseitig.
Jetzt seid Ihr dran!
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Warum
Streik?
Auf
den ersten Blick scheint dies eine ziemlich dumme Frage. Dennoch
ist es sehr wichtig zu wissen, warum Ihr streikt - was sind die
Ziele, Gründe und Ursachen? Sehr oft scheinen die Gründe
für einen Streik recht unbedeutend, wie z.B. bei den sogenannten
'Zigarettenpausen-Streiks’ oder “Bummelstreiks”.
Bei näherem Hinsehen kann sich jedoch die 'Kleinigkeit’
als ein sehr guter Grund erweisen. Eine Weile andauernder Schikane
durch die Betriebsleitung oder die ständige Verschlechterung
der Arbeitsbedingungen können zu einem spontanen Streik führen.
Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, ist meist
klein, daher ist es wichtig, die Hintergründe und den Ursprung
des Handelns aufzuzeigen.
Manchmal
ist ein Streik nicht die ideale Waffe, er ist kostspielig und
kann bei zu häufiger Durchführung aufs Geratewohl zu
Vertrauensverslust und Mutlosigkeit führen. Es lohnt sich,
auch andere Formen der direkten Aktion in Betracht zu ziehen.
Dienst nach Vorschrift, Langsamarbeit, Sit-Ins, Besetzungen und
Sabotage haben ebenso ihren Platz im täglichen Kampf. Meist
sind sie weniger aufwendig, sowohl finanziell, als auch die persönlichen
Kräfte betreffend. Jede Situation hat ihre eigene Lösung,
aber es gut für die Leute, ihre Erfahrungen des Sich-Wehrens
zu erweitern, es gibt mehr im Klassenkampf als Streik und immer
nur Streik. Die Zabalaza
Books Broschüre 'Handbuch zur Organisation für den
rebellischen Arbeiter’, die zum Herunterladen auf der ZB
Webseite zur Verfügung steht, gibt einen genauen Einblick
in weitere Formen der direkten Aktion und wird wärmstens
empfohlen.
Wann
streiken?
Damit
ein Streik Erfolg hat, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt
sein. Die erste Voraussetzung ist ein Anliegen, das die ArbeiterInnen
verstehen und für das sie sich gemeinsam einsetzen. Dies
scheint offensichtlich, aber häufig drängen die Gewerkschaften
zum Streik für rein parteipolitische Ziele, welche die ArbeiterInnen
nicht wirklich zusammenführen und die ihnen relativ egal
sind. Das heißt nicht, dass nur für Löhne gestreikt
werden soll, aber um Erfolg zu haben, muß ein Streik ein
echtes Anliegen der Arbeiter_Innen beinhalten.
Zweitens
sollte der Streik direkt von den Arbeiter_Innen beschlossen werden.
Dies bedeutet nicht, zu warten, bis jede/r einzelne ArbeiterIn
einverstanden ist, was unmöglich sein dürfte. Aktionen
sollten von einer Mehrheit bei Versammlungen beschlossen werden,
nicht in geheimen Abstimmungen, die manipuliert werden können,
oder durch Bürokraten im Zentralbüro bestimmt werden.
Schließlich muß ein Streik von denjenigen ausgeführt
werden, die ihn beschlossen haben und die betroffen sind. Nach
einem Beschluss einfach nach Hause gehen hat noch nie funktioniert.
Passive Streiks sollten nach Möglichkeit vermieden werden.
Der
1-Tages-Streik oder Warnstreik
Der
scheinheilige 1-Tages- oder Warnstreik ist die Lieblingstaktik
der Reform-Bürokraten und Politiker. Er erreicht nichts außer
dem Verlust eines Tageslohns. Die Erfahrung zeigt, dass Warnstreiks
normalerweise von faulen Betriebsräten in Gang gesetzt werden,
die größeren Ärger vermeiden wollen. Es wird Dampf
abgelassen, ohne größeren Schaden anzurichten, ohne
etwas Grundlegendes zu verändern.
Der
Warnstreik ist ebenfalls oft mit parteipolitischen Interessen
verknüpft. Dabei werden die Arbeiter_Innen von Politiker_Innen
benutzt, die der Opposition über arbeitsmarktpolitische Themen
Punkte abknöpfen wollen. Für uns springt dabei nichts
heraus, außer einen Tag weniger Lohn.
Wenn
wir symbolisch protestieren oder Solidarität ausdrücken
wollen, gibt es viele andere Wege. Zum Beispiel könnte ein
eintägiges Sit-In erfolgreicher sein. Oder alle machen einen
Tag krank oder arbeiten Dienst nach Vorschrift, um den Arbeitsplatz
saumäßig zu hinterlassen. Es gibt unendliche Möglichkeiten.
Wenn wir durch Stimmenmehrheit unserer KollegInnen zu einem Warnstreik
gezwungen werden, sollten wir den Tag konstruktiv nutzen. Es ist
eine Chance, mit den MitarbeiterInnen und RevolutionärInnen
direkt zu diskutieren. Schließt Kontakte. Schafft alternative
Plattformen gegen BürokratInnen und PolitikerInnen. Macht
deutlich, wer von den Scheinaktionen wirklich etwas hat, z.B.
Gewerkschaftsbosse, Politiker_Innen oder gar die Chefs selber.
Offiziell/inoffiziell
Macht
es wirlich etwas aus, ob ein Streik offiziell oder inoffiziell
ist? Uns macht es überhaupt nichts aus, wenn ein Streik 'inoffiziell’
ist. Wir brauchen keine 'offizielle’ Erlaubnis, mit unseren
Aktionen unsere Bedürfnisse durchzusetzen.
Tatsächlich
tun uns die GewerkschaftsführerInnen einen Gefallen, wenn
sie uns wieder an die Arbeit schicken: sie entlarven die wahre
Natur der Gewerkschaftsbürokratie. Der Staat braucht die
Funktionäre, um uns zu kontrollieren. Wenn wir 'inoffiziell’
oder 'wild’ streiken, bekräftigen wir unser Recht auf
eigene Entscheidungen, wir gewinnen unsere Selbstbestimmung zurück.
Im Falle dass sich die Gewerkschaftsführung gegen uns wendet,
müssen wir die Funktionäre genauso hart bekämpfen
wie die Chefetage.
In
jedem Fall haben Gewerkschaftsfunktionäre, Vollzeit-BürokratInnen
und faule VersammlungsleiterInnen oder Betriebsräte kein
Recht, unsere Kämpfe zu leiten. Es ist die Sache der Arbeiter_Innen
selbst (und auch keiner angeblich 'bewußteren’ Minderheit
aus ihren Reihen) die Entscheidungen zu treffen, wie ein Kampf
geführt werden soll.
Vereinbarungen
zwischen Gewerkschaften und Beschäftigten sind keine unumstößlichen
Befehle!
Der
Kampf zwischen ArbeiterInnen und Bossen hört niemals auf;
er währt die ganze Zeit, während mit Vereinbarungen
versucht wird, ihn einzudämmen und die Bosse zu übervorteilen.
Denn die Chefs werden immer bevorzugt und wir wurden immer benachteiligt.
Wenn es daher notwendig wird, Vereinbarungen zu brechen, müssen
sie gebrochen werden. Abmachungen und Verträge sollten uns
nicht im Wege stehen. Im Streikfall müssen wir wissen, was
wir wollen und wie wir es bekommen. Die Bosse haben ihre eigenen
Wertevorstellungen, wenn es ihren Interessen dient, die Arbeiterklasse
sollte also ebenso verfahren.

Organisation/Organisierung
Wir
ArbeiterInnen und Beschäftigte müssen uns jederzeit
organisieren. Wenn der Chef uns heute auch freundlich angrinst,
morgen wird er uns doch betrügen. Und bei jedem Streik, jedem
Kampf finden wir die ArbeiterInnen wieder unvorbereitet, desorganisiert,
abgelenkt durch Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten.
Doch die Chefetagen sind immer gut organisiert, halten zusammen,
treten wirkungsvoll und selbstbewußt auf. Kein Wunder, dass
sich die Arbeiterklasse auf dem Rückzug befindet. Die Bosse
lernen voneinander, wir leider häufig nicht.
In
den meisten Betrieben gibt es mehrere Gewerkschaftsvertretungen
(aber immer nur eine Leitung). Die ArbeiterInnen haben verschiedene
Vertrauensleute und Strukturen in den einzelnen Bereichen, verschiedene
Erfahrungswerte führen häufig zu Mißtrauen und
spaltenden Zänkereien. Der erste und allerwichtigste Schritt
ist daher die Gründung von ArbeiterInnenräten aus Delegierten
aller Gewerkschaften und Abteilungen des Betriebes. Ob Hand- oder
KopfarbeiterIn, egal zu welcher Gewerkschaft gehörig, diese
Komitees müssen alle Gruppen von Beschäftigten vereinigen.
Sie sollen sich regelmäßig treffen, sich kennenlernen,
Informationen austauschen und ihre Erfahrungen sammeln und zur
Verfügung stellen. Sicherlich wird es die Neigung geben,
dass alles durch dominierende Personen vereinnahmt wird usw. Alle
Delegierten müssen daher in General-versammlungen direkt
von den beteiligten ArbeiterInnen gewählt werden, sie haben
Berichtspflicht und, am allerwichtigsten, sie können jederzeit
sofort abgewählt werden, wenn sie nicht den Wünschen
der ArbeiterInnen gemäß handeln. Das nennen wir ein
imperatives Mandat. Mit einer derart weitreichenden Organisation
ausschließlich aus ArbeiterInnen, ohne Vollzeit-Gewerkschaftsfunktionäre,
können Vertrauen und Verständigung wachsen und ungeahnte
Stärke erzeugen. Mit solchen ständigen ArbeiterInnenräten
sollte es möglich sein, der Chefetage jederzeit die Stirn
zu bieten. Im Falle eines Streiks können sie als Streikausschuss
fungieren oder als Erfahrungspool bei der direkten Wahl des Streikausschusses
wertvolle Hilfe leisten.
In
vielen Betrieben gibt es zusammengeschlossene Betriebsräte,
die den Arbeiter_Innenräten, die wir im Sinn haben, ähnlich
sind. Jedoch wird dort die direkte Wahl oder Abwahl, die wir für
entscheidend wichtig halten, nicht immer praktiziert. Viele Betriebsräte
werden durch Trägheit zur Bremse unserer Selbstbestimmung,
diesen muss deutlich entgegengetreten werden. Die Erfahrung lehrt,
dass viele Betriebsausschüsse nur Laberrunden sind, ohne
dass von der Arbeiter_Innen schaft etwas eingebracht wird. Dies
ist die direkte Folge von Teilnahmslosigkeit und selbstbezogenen
Betriebsräten. Gleichgültigkeit ist eine häufige
Reaktion auf nicht vorhandene Verständigung und Information
seitens der Gewerkschaften. Es bleibt Aufgabe der 'militanten
Aufrührer’, den Versuch zu wagen, die s e Schläfrigkeit
zu vertreiben, wobei eine Prise Humor nicht fehlen sollte. Es
ist eine Tatsache, dass heutzutage die gewerkschaftliche Aktivität
häufig langweilig und völlig von der Wirklichkeit am
Arbeitsplatz abgetrennt ist, obwohl das Gegenteil der Fall sein
sollte.
In
den meisten Fällen stellt heutzutage der Betriebsratsausschuss
auch das Streikkomitee; das wäre halb so schlimm, wenn es
gut organisierte ArbeiterInnenräte geben würde. Ausserdem
ist das Streikkomitee auf einer Generalversammlung aller ArbeiterInnen
direkt zu wählen. Beide Wege sind nützlich, allerdings
ist ein Streikkomitee nur so gut, wie die Gruppen und Einzelpersonen,
die es vertritt. Berufsfunktionären und dem Zentralbüro
sollte nicht gestattet werden, den Streik zu leiten. Alle Entscheidungen
müssen von den Streikenden verstanden und getragen werden.
An Verhandlungen mit der Betriebsleitung sollten soviel Delegierte
wie möglich teilnehmen, um Verrat, Ausverkauf, Hintertürchen
und dergleichen zu vermeiden. Verhandlungen mit nur einem oder
zwei Delegierten mit einer ganzen Gruppe von Bürokraten und
Bossen sind auf jeden Fall absolut zu vermeiden.
Es
wäre sinnlos, strikte Regeln und Gesetze aufzustellen, wie
alles richtig zu tun ist. Jeder Betrieb ist anders, jeder Streik
ist anders. Diese Vorschläge haben nur die Absicht, Ideen
und Diskussionen zur Vorgehensweise und zur Organisierung eines
Streiks beizutragen.
Geld
Wenn
ein Streik eine Weile dauern soll, muss die Finanzierung so früh
wie möglich geklärt werden. Die Gewerkschaften stellen
oft Streikfonds bereit, aber diese reichen selten lange genug.
Bei offiziellen Streiks gibt es gewöhnlich Streikzahlungen,
aber meist nicht sehr viel. An vielen Orten gibt es vom Gewerkschaftsbüro
keine Zahlungen bei wilden Streiks. Einer Abteilung des Streikkomitees
(oder ArbeiterInnenrates, falls vorhan-den) sollte daher die Verantwortung
für das Einwerben von finanziellen und anderen Mitteln übertragen
werden.
Normalerweise
werden am Arbeitsplatz Spenden gesammelt. Auch sollten Anträge
bei allen Gewerkschaften auf allen Ebenen gestellt werden. Bittbriefe
sind eine Sache, oft bringt ein Besuch durch Streikende mehr.
Spenden können bei Abteilungstreffen oder auch bei Arbeitsbeginn
und Feierabend eingesammelt werden.
Solidaritäts
konzerte und Parties sind eine weitere Einnahmequelle, die von
den Gewerkschaften allerdings häufig gemieden wird. Konzerte
sind nicht schwer zu organisieren und können nicht nur finanziell
etwas einbringen, sondern auch zu neuen Kontakten mit Leuten außerhalb
der Gewerkschaften beitragen. Es ist wichtig, Informationsaustausch
und Unterstützung auch jenseits der beschränkten Bühne
der Gewerkschaftskämpfe anzustreben. Jeder Streik ist ein
sozialer Kampf, der die gesamte Gesellschaft etwas angeht. Soziale
Vereine, Jugendclubs, Mieterschutzvereine, Nachbarschaftsinitiativen
usw. sollten informiert und um finanzielle Unterstützung
und aktive Mithilfe gebeten werden. Keine Möglichkeit sollte
ausgelassen werden, wenn es um die materiellen und ideelen Ressourcen
beschaffung geht.
Es
versteht sich von selbst, dass jede noch so geringe Summe transparent
abgerechnet werden muss. Jede Verteilung von Mitteln soll in der
Vollversammlung beschlossen werden. Dies wird häufig sehr
schwierig sein, ist aber sehr wichtig und muss gut vorbereitet
werden, um die Verteilung der Finanzmittel nicht den Bürokraten
zu überlassen.
Öffentlichkeitsarbeit
Eigene
Informationsverteilung ist jederzeit wichtig, in Zeiten von Streiks
umso mehr. Die Massenmedien werden lügen und die Wahrheit
verzerren, den Streikenden wird niemals eine gerechte Berichterstattung
zuteil. Sie werden als Schuldige dargestellt und von Erpressung
des Landes bis hin zur Verurteilung als anarchistischer Abschaum
wird ihnen alles Mögliche vorgeworfen werden.
Wo
es Arbeiter_Innenräte gibt, wird es wahrscheinlich auch regelmässige
Informationsblätter und eigene Zeitungen geben. Oft mals
gibt jede Gewerkschaft ihr eigenes Blättchen heraus (wenn
es die Mitglieder je zu Gesicht kriegen). In diesem Fall sollten
auch alle Veröffentlichungen in einer Zeitung zusammengestellt
werden, um die Vorgänge im ganzen Betrieb darzustellen. Wenn
es noch gar nichts in dieser Richtung gibt, sollte sofort damit
begonnen werden. Informationsblätter und regelmässige
Versammlungen können jede/n ausreichend über alle Entwicklungen
auf dem Laufenden halten.
Für
die allgemeine Öffentlichkeit sollten Flugblätter und
Informationsschriften erstellt und so breit wie möglich verteilt
werden. Regelmäßige Pressemitteilungen sollen an die
Massenmedien, politische Gruppen und RevolutionärInnen verschickt
werden. Weitere Flugblätter sollten sich an die Gewerkschafter_Innen,
die Anwohner_Innen der Umgebung etc. richten. Ihr werdet aber
trotzdem immer gegen Verleumdung und Lügen ankämpfen
müssen.
Gewählte
Delegierte können Treffen anderer Abteilungen oder nahe liegender
Betriebe besuchen, die Nachbarschafts-versammlungen usw. können
ebenfalls zur Unterstützung und zum Informationsaustausch
genutzt werden.
Wenn
Gruppen von EinwanderInnen betroffen sind, müssen ihre Sprachen
berücksichtigt werden, selbst wenn sie eine der Minderheit
sind. Rassismus darf uns nicht trennen. Erklärt in ihren
Gemeinschaften, worum es geht, nutzt ihre Presse und ihre Medien.
Anders sprachige Minderheiten unter den ArbeiterInnen sind sehr
häufig viel zu schwach vertreten. Es liegt an uns, dies zu
ändern!
Internationale
Solidarität kann uns ebenfalls helfen, besonders wenn ein
Unternehmen in mehreren Ländern aktiv ist oder Zweigstellen
auf anderen Erdteilen hat. Anarchistische Gruppen sind normalerweise
bereit zu helfen, sowohl beim Aufstellen von Streikposten als
auch bei der Herstellung und Verteilung von Flugblättern
und Infomaterialien. Parteien mögen Unterstützung anbieten,
aber passt auf, dass sie nicht die Kontrolle übernehmen!
Zu jeder Zeit müssen die ArbeiterInnen die Entscheidungsmacht
bei sich behalten!
Schließlich
sei noch betont, dass es nichts Wirksameres gibt, als den persönlichen
Kontakt zwischen den MitarbeiterInnen um Nachrichten zu verbreiten.
Über Lasst niemals den Bürokraten oder 'Experten’
euren Kampf zu führen. Erzählt Eure Anliegen überall
weiter, in Kneipen, Läden, Fabriken und auf der Straße.
Benutzt ebenfals die linke Presse und die linken Medien, um Eure
Nachrichten überall zu verbreiten.

Direkte
Aktion/Solidarität
Vielerorts
ist die Aufstellung von Streikposten die häufigste Form von
direkter Aktion bei Streiks. Jedoch ist es nicht die einzige Form
und auch nicht immer die wirksamste. Viele Streikende sind beispielsweise
durch brutale Polizeigewalt leicht einzuschüchtern. Wenn
jedoch andere ArbeiterInnen sie unterstützen, durch Abstellen
der Energiezufuhr, Blockade von Nachschub, Verhindern der Postzustellung,
Unterbrechung der Telefonleitungen usw., wie lange können
der Streik und die Angriffe dann anhalten? Dies ist der Schlüssel
zum letztendlichen Erfolg. Weitet den Streik soweit wie möglich
aus. Jeder Angriff auf eine Gruppe von ArbeiterInnen ist ein Angriff
auf uns alle. Die Bosse handeln niemals allein, sie haben die
volle Unterstützung der kapitalistischen Presse und ihrer
Klasse, die aus früheren Erfahrungen lernt.
Um
Streikbrecher aufzuhalten, ist es nützlich, wichtige Maschinen
oder Informationen zu entfernen oder zu zerstören, um andauernde
Weiterarbeit zu verhindern. StreikbrecherInnen können auch
nach Hause begleitet werden, um dort Posten aufzustellen oder
sie anderweitig am streikbrechen zu behindern.
Während
die Gesetze betreffs Streikposten/Besetzungen sehr streng sind,
wissen wir doch, dass sie gebrochen werden und gebrochen werden
müssen. Massenhafte Besetzungen werden die Polizeigewalt
auf sich ziehen, also müssen wir lernen, auf uns selbst aufzupassen,
uns zu verteidigen, Gegen-Angriffs-Trupps müssen gebildet
werden, um Verhaftungen zu verhindern. Darüber hinaus ist
es eine gute Idee, nicht nur die betroffenen Betriebe, sondern
auch die Zulieferer und die Wohnungen der Chefs etc. zu besetzen.
Auf
jeden Fall haben wir nur dann eine bessere Chance, etwas zu erreichen,
wenn die Streiks ausgeweitet und zu generellen sozialen Kämpfen
verbreitert werden.
Direkte
Aktion während des Streiks ist sinnvoll und gut für
die Stimmung. Sabotage und Besetzung sind besonders wirkungsvoll.
Was
fehlt?
Endet
der Kampf mit dem Ende des Streiks und der Rückkehr zur Arbeit?
Ganz sicher NICHT! Vielleicht haben wir mit diesem Text nur das
Offensichtliche wiederholt, aber wir haben das Gefühl, dass
oft nicht genug Aufmerksamkeit auf die grundlegenden Dinge gerichtet
wird. Nicht alle, die diesen Text lesen, sind AnarchistInnen (hoffen
wir), aber die hier ausgedrückten Ideen und Erfahrungen sind
für alle Militanten der Arbeiterklasse wertvoll. Allerdings
kämpfen wir als AnarchistInnen für mehr als höhere
Löhne und bessere Bedingungen (dafür jedoch auch). Unser
letztendliches Ziel ist die Abschaffung des Klassensystems und
der Lohnarbeit, wir arbeiten für eine freie Gesellschaft,
die nach Bedarf und nicht für Gewinn produziert. Um diese
freie kommunistische Gesellschaft zu erreichen, glauben wir, dass
die Arbeiterklasse die Gesellschaft formen und die Produktionsmittel
übernehmen muss. Der gemeinschaftliche Generalstreik ist
die Waffe, mit der die Arbeiterklasse die gesellschaftliche Revolution
beginnen muss. Bis dahin fühlen wir uns verpflichtet, unsere
Mit-ArbeiterInnen im unabhängigen Handeln für ihre Klasse
zu ermutigen, um Kraft und Selbstbewusstsein zu sammeln und mit
Erfahrung und Wissen die gesellschaftliche Revolution zu beginnen.
Wir
sind keine PolitikerInnen, weder MarxistInnen noch Liberale. Wir
wollen nicht in Vertretung für die ArbeiterInnen die Macht
übernehmen. Wir glauben einfach, dass die Befreiung der ArbeiterInnen
ihre eigene Aufgabe ist.
Was
wir wollen
Als
AnarchistInnen glauben wir an eine Gesellschaft, die ohne Herrschaft
organisiert ist, mit Herrschaft meinen wir die Macht, jemensch
den eigenen Willen aufzuzwingen. Wir glauben nicht nur, dass Herrschaft
für die gesellschaftliche Organisation überflüssig
ist, im Gegenteil: weit davon entfernt der Gesellschaft zu nützen,
lebt Herrschaft in ausbeuterischer Weise von ihr, behindert ihre
Entwicklung und nutzt ihre Errungenschaften, um sie nur einer
besonderen Klasse zukommen zu lassen, die andere ausnutzt und
unterdrückt. Wir glauben ebenfalls, dass Ausbeutung, Lohnsklaverei,
Krieg und Unterdrückung so lange andauern werden, wie es
den Staat (Regierung, Polizei, Gerichte, Gefängnisse, usw.)
in der heutigen Form gibt. AnarchistInnen glauben, dass die ArbeiterInnen
die Kontrolle in der Gesellschaft übernehmen und diese nach
dem Vorbild ihrer eigenen Organisationsformen umgestalten sollten.
Wir
glauben, dass der gesellschaftliche Generalstreik das Mittel ist,
mit dem die Arbeiterklasse den Staat überwinden und mit dem
Aufbau eines herrschaftsfreien = anarchistischen Systems von Selbstorganisation,
Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit beginnen kann.
AnarchistInnen
sind in allen Bereichen der gesellschaftlichen Kämpfe tätig,
in Gewerkschaften, Anti-Kriegs-Bewegungen, Arbeitslosen-Gruppen,
Eroberung von Freiräumen, der Frauenbewegung usw.
Wenn
Du mehr über Anarchie erfahren möchtest, Anregungen
und/oder Kritik zu dieser Broschüre hast, nimm bitte Kontakt
zu uns auf!

Dieser
Text beabsichtigt, grundlegende Verfahrensweisen und Möglichkeiten
zur Organisierung darzulegen; er beschäftigt sich
damit, Diskussionen und Verständigung zwischen “AG
Solidarität von unten” und KämpferInnen
innerhalb und außerhalb von Gewerkschaften anzuregen.
In einer Zeit, in der sich die ArbeiterInnen mehr und
mehr auf dem Rückzug befindet, ist es lebensnotwendig,
Erfahrungen und Wissen auszutauschen und voneinander zu
lernen, um besser und nachhaltiger Widerstand zu leisten.
Das Niveau politischer Kultur in der arbeitenden Klasse
ist im allgemeinen katastrophal; von Presse und Fernsehen
belogen, von Gewerkschaftsfunktionären herumgeschubst,
ist es jetzt mehr denn je an der Zeit für alle gewissenhaften
ArbeiterInnen, gut vorbereitet zurückzuschlagen.
Mit der Verbreitung dieser Ideen und Erfahrungen aus langen
Jahren müssen wir lernen, wie wir uns organisieren
und wehren. |
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